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Damensattel modern headline

Der „moderne“ Damensattel, wie er seit Beginn des 20 Jh., bis in die 1950er Jahre (bis zur Schließung der letzten Damensattel-Manufaktur) gebaut wurde und seit einigen Jahren von wenigen Spezial-Sattlereien auch wieder neu gebaut wird, zeichnet sich durch eine Reihe von Details aus, die eine, nach heutigen Gesichtspunkten, korrekte Position der Reiterin erlauben, sowie einen guten Sitz des Sattels auf dem Pferderücken gewährleisten. Nachfolgend eine Beschreibung dessen, worauf es beim modernen Damensattel ankommt:

Sitzfläche

Die Sitzfläche sollte möglichst waagerecht sein und keine Senke bilden in der es sich „gemütlich sitzt“. Häufig ist die Sitzfläche aus Rau- oder Wildleder, was die Reiterin am Rutschen hindert und die Sitzposition festigt. Manche Reiterinnen geben allerdings einer Sitzfläche aus Glattleder den Vorzug. Die Sitzfläche ist von oben betrachtet asymmetrisch!

Sattelblätter

Es gibt zwei Sattelblätter. Beim linkssitzigen (nahezu alle modernen DS sind linkssitzig) Damensattel ist das linke Sattelblatt sehr groß, weil es die Auflagefläche für den rechten Unterschenkel beinhaltet. Das rechte Sattelblatt wiederum ist recht dezent und manchmal mit einem eingearbeiteten Täschchen für Regenhandschuhe und Taschentuch versehen. Es gibt Damensättel, bei denen die Gurtstrupfen auf dem Sattelblatt liegen. Man spricht dann vom „offenen Gurtsystem“. Ein System, das leicht nachzugurten ist, es aber unter Umständen schwer macht, den Sattel optimal zum Liegen zu bringen.

  Whippey nearside, copyright B.Keil  

 

Sattelpolster

Das Sattelpolster muss dem Pferderücken von einem speziell ausgebildeten Sattler angepasst werden! (Kontaktadressen unter "Links"). Es sollte nicht zu weich, aber auch nicht steinhart sein. Verdichtungen, die sich als „Knubbel“ erfühlen lassen, sind unbedingt zu vermeiden. Üblicherweise ist ein neues Sattelpolster mit Wollstoff überzogen und wird, wenn sich das Polster gesetzt hat und der Sattel nachgepolstert wurde mit einem speziellen Leinenstoff überzogen. Der Grund dafür ist, dass Damensättel häufiger nachgepolstert werden müssen als herkömmliche Sättel und Stoff nun mal flexibler ist als Leder. Des Weiteren lassen sich Verdichtungen im Polstermaterial leichter auflockern, da man den Stoff mit einer speziellen Art von Nadel durchbohren kann um die Wolle zu verteilen.

Es gibt auch sogenannte Wykeham-Pads, die aus Filz gefertigt sind und sich austauschen lassen. So konnte früher eine Dame, die mehrere Pferde hatte, die in etwa dasselbe Kopfeisen benötigten, aber verschiedene Sattelpolster, den Kauf weiterer Sättel vermeiden.

Sattelhörner

Der moderne Damensattel hat zwei Sattelhörner. Ein oberes, feststehendes Horn und ein bewegliches Einschraub- oder Jagdhorn. Häufig findet sich ein zweites Einschraubloch um das untere Horn in seiner Position zu verändern. Wie breit oder schmal die Hörner sind und wo sie positioniert sind, hängt vom Baujahr und Typ des Sattels ab.

Erwähnenswert ist auch das so genannte Houblon-Horn (von Mayhew), ein speziell für das Springreiten entwickeltes Einschraubhorn mir einer deutlich abgerundeten Oberkante.

Balanceriemen und -gurt 

Der Balanceriemen dient der Befestigung des Balancegurtes, der von rechts hinten zum Balancestrupfen am langen Ortende, links vorne,  geführt wird. Manchmal findet sich am Balancegurt eine Unterfütterung aus rutschfestem Gummi. Der Balancegurt, der den Sattel bei extrovertieren Bewegungen des Pferdes, wie im Jagdgalopp, beim Springen oder im Falle eines Bucklers in seiner Lage stabilisiert und nicht übermäßig fest angezogen wird, ist ein ca. 130 cm langer Gurt mit Schnallen an beiden Enden. Ausnahme bildet das Sefton-Gurt Prinzip (von Champion & Wilton). Hierbei ist eine Schnalle zur Befestigung des (nur gelochten) Sefton-Gurtes an der Vorderseite des langen Ortendes des Sattels angebracht. Das andere Ende des Gurtes hat eine normale Schnalle und wird wie gewohnt am Balanceriemen befestigt.

Übergurt und Befestigungslasche

Der Übergurt hindert das Sattelblatt daran zu flattern. Um bequem Nachgurten zu können, befindet sich am kleinen Sattelblatt ein Gummizug mit Lederlasche und Haken, und am Übergurt (der neben oder über den Gurtstrupfen verläuft) eine Öse, in die man den Haken befestigen kann.

Vorderzwiesel

Der Vorderzwiesel soll zurück geschnitten sein. Üblicherweise reicht ein Teil des flachen Sattelblattes bis nach oben und schützt so die Kleidung vor dem direkten Kontakt mit dem Widerrist des Pferdes.

Sattelkranz

Der Sattelkranz sollte entweder flach oder nur minimal hochgezogen sein. Keinesfalls darf er eine scharfe Kante in Form einer Art "Lehne" bilden.

  Owen offside, copyright B.Keil  

 

Steigbügelschloss

Das wichtigste Sicherheitselement am Damensattel ist das Steigbügelschloss an dem der Steigbügel eingehängt wird. Der Steigbügel muss unbedingt nach oben-hinten auslösen. Ein normales Steigbügelschloss wie am Herrensattel ist wertlos, da es den Steigbügel im Falle eines Sturzes nicht freigibt. Wer einen Sattel mit Rollenaufhängung oder herkömmlichen Steigbügelschloss besitzt, sollte unbedingt einen Sicherheitssteigbügel verwenden. Es gibt Kopien verschiedener viktorianischer Modelle in heutigen Größen zu bestellen. Zum Springreiten sind diese Sättel jedoch keinesfalls zu empfehlen. Die drei bekanntesten Sicherheits-Steigbügelschloss-Patente kommen von den großen Firmen Champion & Wilton, Mayhew und Owen. Sie wurden aber oft auch von anderen Sattlereien gekauft und verwendet. Wer einen Sattel mit Champion & Wilton Aufhängung hat, kann also durchaus einen Parker, einen deutschen oder französischen Sattel haben. Whippey verwendete überwiegend das Mayhew Prinzip, das heutzutage auch von Karl Niedersüss (KN) eingebaut wird. Moderne Sättel, die Sattler wie Saskia von Ehrenkrook, Viola Klose und Laura Demsey auf neuen Sattelbäumen von beispielsweise Alton & Butler aufbauen, haben häufig auch ein Steigbügelschloss nach dem Mayhew Patent.

So passt der Sattel dem Pferd

Das Kopfeisen des Sattels muss 100%ig passen! Das Polster muss individuell angepasst werden. Die maximale Länge des Sattels wird durch den Rücken des Pferdes bestimmt und sollte nicht über den, durch den Brustkorb des Pferdes unterstützten Teil, hinausgehen. Das Gebäude des Pferdes bestimmt auch die maximale Breite des Sattels . Ein schwerer Warmblüter mit einem kräftigen "Kreuz" kann einen breiteren Sattel tragen als ein schmaler Blütertyp. Es empfiehlt sich in jedem Fall einen Fachmann zu Rate zu ziehen. (Die SSA-Instructors des RID haben alle ein umfassendes Wissen zum Thema "Sattelanpassen" und stehen gerne mit Rat zur Seite. Das ersetzt aber nicht den Termin beim spezialisierten Sattler um einen Sattel endgültig ans Pferd anzupassen).

Die Länge und Breite eines Damensattels wird übrigens üblicherweise in Zollmaß ausgedrückt. Man misst die Länge vom zurückgeschnittenen Vorderzwiesel bis zum Sattelkranz und die Breite an der breitesten Stelle des Sattels. Gängig sind Längen von 16" (40,6 cm) 16,5" (41,91 cm), 17" (43,18 cm), 17,5" (44,45 cm), 18" (45,73 cm) und Breiten von 12" (30,25 cm) bis 13,5" (34,25 cm).

So passt der Sattel der Reiterin

Die Länge und Breite des Sattels muss zur Figur der Reiterin passen. Wenn sie also korrekt im Sattel Platz genommen hat,  sollte sie noch ungefähr 4-5 cm an Sitzfläche hinter sich haben. Ebenso sollte sie bequem sitzen und eine ausreichende Auflagefläche für den rechten Oberschenkel haben.  Da viele Reiterinnen heute längere Beine haben als die Damen früher,  muss man auch schauen, ob die Positionierung der Hörner stimmt und man nicht mit dem rechten Absatz auf Kollisionskurs mit dem linken Schienbein gerät. Wenn der Sattel aber sonst passt,  gibt es Möglichkeiten wie man das optimieren kann. 

 


 © B.Keil,2009