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Reiten modern headline
im Damensattel headline
Die Entwicklung und Verbesserung des Reitens im Damensattel wird nie aufhören, weil wir ständig neue Erkenntnisse über das Pferd, seine Biomechanik, die Biomechanik des Reiters, die Verwendung neuer Materialien im Sattelbau, und vieles mehr, erlangen. 

Man kann aber sagen, dass sich seit der Entwicklung zum wirklich modernen Damensattel, wie er seit Ende des ersten Weltkrieges in England gebaut wurde, nichts Weltbewegendes mehr geändert hat. Sicher werden Sättel heute tendenziell weicher gepolstert als früher. Ganz einfach um dem modernen Typus des Sportpferdes die Tätigkeit der Rückenmuskulatur zu erleichtern. Doch die Sitzposition des Reiters ist dieselbe.

Wir wissen heute, dass sich die Schwerpunktachse des Pferdes auf der Höhe des 15. Brustwirbels befindet. Jeder gut angepasste Englische Sattel wird genau hier seinen tiefsten Punkt haben. Die Sitzfläche des Damensattels ist aber waagerecht. Das bedeutet, dass die Reiterin dafür verantwortlich ist, sich an der Stelle auszubalancieren, die dem Pferde am angenehmsten ist. Das wiederum geht nur mit einem korrekt angepassten Sattel.

B.Keil und Libero, Carcasssonne 2009, copyright P.Steentjes
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B.Hoffmann und Cayenne, Equitana openair 2008
 

Die Dame legt ihr rechtes Bein über das obere, feststehende und das linke Bein unter das Einschraubhorn. Die Schultern sind parallel zur Schulter des Pferdes. Die Wirbelsäule befindet sich mittig über der Wirbelsäule und die Hüften sind nahezu parallel zur Hüfte des Pferdes. Der Oberkörper der Reiterin ist, bei geraden Schultern, leicht nach vorne geneigt um das Körpergewicht in Richtung der Schwerpunktachse des Pferdes zu bringen. Der rechte Unterschenkel der Reiterin liegt senkrecht flach an der Pferdeschulter an. Die rechte Fußspitze zeigt nach unten. Das linke Bein hängt locker, mit leicht tiefem Absatz herab, ohne Gewicht in den Steigbügel zu bringen.


Die Hände werden recht und links des rechten Knies platziert. Die Höhe der Hände ergibt sich aus der relativen Aufrichtung. Die Linie Ellenbogen, Reiterhand und Pferdemaul sollte ungebrochen sein. Die Zügelführung ist dadurch häufig etwas breiter als gewohnt.





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Die Kandare dient der Verfeinerung der Hilfen und nicht der Optik. Im Damensattel sollte man ernsthaft über eine Kandarenführung 3:1 nachdenken. Denn nur dann läuft man keine Gefahr das Pferd nachhaltig im Maul zu stören, wenn der Reitstock, der den rechten Schenkel ersetzt, zum Einsatz kommt. Wer aus Sicherheitsgründen ein "deutlicheres" Gebiss verwenden möchte, sollte lieber über ein Pelham oder eine andere Alternative nachdenken.

Ein großer Unterschied zu früher ist die Tatsache, dass Frauen im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausschließlich im Damensattel ritten und die Pferde unter diesem Aspekt ausgesucht wurden. Es ist kein Zufall, dass eine Vielzahl der frühen Turnierprüfungen "Eignungsprüfungen für das Damenpferd" waren. Ein kräftiger Rücken, ein ausgeprägter Widerist, bequeme Gänge und ein ausgeglichenes Temperament ohne Phlegma waren entscheidende Kriterien. 

Heute ist der Damensattel eine Ergänzung und Abwechslung zum "normalen" Reiten und zur täglichen Arbeit mit dem Partner Pferd. Und jedes Pferd lässt sich im Damensattel reiten. Voraussetzung ist jedoch ein passender Sattel und Vertrauen und Feingefühl des Reiters.

Dann wird der Damensattel zum Mittel um ein elegantes Feedback der eigenen reiterlichen Ausbildung und Feinheit zu erhalten und um den Ausbildungsstand des reell, im Sinne der klassischen Reitlehre, gearbeiteten Pferdes festzustellen.

Denn im  Damensattel ist feines Reiten gemäß der Skala der Ausbildung und nicht vehementes Kontrollieren gefragt. Die Harmonie, Eleganz, Verbundenheit und Schönheit, die das Ziel eines jeden Reiters sein sollte, entsteht erst durch gegenseitiges Vertrauen und die fein abgestimmte "Sprache" der reiterlichen Hilfen.  ... im Gelände und am Sprung genauso wie im Dressurviereck oder der Showarena.



  A.Pampel und Samurai, Langenfeld 2008
© B.Keil, 2009