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Garderobe modern headline

An der offiziellen Garderobe für den Damensattel hat sich seit den 1930 er Jahren nicht mehr viel geändert.  Da sich aber der gesamte Gebrauch des Damensattels gewandelt hat, wirft der reiterliche Alltag doch manche neue Frage auf:

Reitstunde

Zum Unterricht und zur täglichen Arbeit wird heute niemand mehr im Rock oder der Sicherheitsreitschürze erscheinen. Eine gut sitzende Reithose, Helm und ein Paar weiche Reitstiefel, die etwas kürzer als die üblichen Stiefel sein sollten, reichen aus. Solche Stiefel hat natürlich nicht jeder. Daher hat es sich eingebürgert, dass oft ein anderer Schuh am rechten Fuß getragen wird. Entscheidend ist, dass dieser Schuh keine Schnallen oder Metallteile an der Außenseite hat. Erstens würde das am Bein oder Fuß drücken was den Sitz verschlechtert und sich nachteilig auf die Sicherheit auswirkt und zweitens würde das Sattelblatt zerkratzt werden. Ob man den Reitstock oder die Gerte bevorzugt, hängt von Pferd und Reiterin ab.

Equitana 2009, copyright A. Maier

En Public

Wenn sich doch größeres Publikum einfindet, der Anlass aber eher informell ist, fühlen sich viele Reiterinnen nur in Reithose nicht wohl, weil  nicht "richtig angezogen". Hier ist eine Sicherheitsreitschürze, zur Weste oder Tweedjacke angemessen. Die Form der modernen Reitschürze (Apron), entstand im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts, indem man allen überflüssigen Stoff des Reitrockes entfernte. Besonders der Stoff auf dem man saß. Der Grund dafür war, dass sich so keine störenden Falten bilden konnten und die Reiterin im Falle eines Sturzes nicht an den Sattelhörnern hängen bleiben konnte. Sie war damit auch weitaus unabhängiger. Denn zum Aufsitzen im Rock benötigte sie immer einen Helfer, der sie aufs Pferd hob. In Deutschland und Frankreich setzte sich die Sicherheitsreitschürze eher schleppend durch. Besonders die jüngeren und betont sportlichen Reiterinnen erkannten aber den praktischen Wert. Heute gibt es dazu keine Alternative, da der geschlossene Reitrock aus Sicherheitsgründen in den Turnierprüfungen nicht mehr zugelassen ist.

Turnier und Jagd

Die strengste offizielle Kleiderordnung gibt es in England. Sie hat sich im Wesentlichen seit den 30er Jahren nicht mehr geändert. In Deutschland galten aber schon immer weniger uniformierende Regeln. Daher ist die aktuelle "Ausrüstungsempfehlung des RID"  ein gemildertes Regelwerk für Turnierreiter- und Veranstalter, das viel Interpretationsspielraum lässt und sich im Wesentlichen auf Sicherheitsaspekte konzentriert.

 

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Reitschürze, copyright: Landwirtschaftsverlag Münster
Ausrüstungsempfehlung für den Damensattel tl_files/rid_default/pdf/iconPDF.gif

 

 


Wer  zum Turnier oder zur Jagd im Damensattel erscheint, sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass er sehr viel Beachtung erfährt. Besondere Sorgfalt sollte daher auf das gesamte Erscheinungsbild gelegt werden. Und das fängt beim gepflegten Pferd und Sattelzeug an.

Die Reitschürze sollte immer (!) den rechten Fuß bedecken und für die Turnierprüfung den linken Fuß sehen lassen. Je schwerer der Stoff, desto weniger kann er flattern und Falten schlagen. Und desto geringer das Risiko irgendwo hängen zubleiben oder andere Pferde zu erschrecken. Befestigt wird die Schürze mit einem Gummiband, das über den rechten Fuß gezogen wird.

Wenn die Reitjacke vorne etwas zurückgeschnitten ist, sitzt sie optimal. Sonst bilden sich schnell häßliche Falten. Dem kann man vorbeugen, wenn man die Schöße der normalen Turnierjacke mit Sicherheitsnadeln nach innen steckt. Eine enge Weste unter der Jacke gibt auch zusätzliche Form und kaschiert den Übergang von der Bluse zur Reitschürze.

Weiße Handschuhe lenken den Blick immer auf die breiter getragene Zügelhand, was nicht besonders hübsch aussieht. Schwarze Handschuhe kommen wegen ihrer Trauer-Symbolik nicht in Frage. Dunkelbraun oder Creme sind angemessene Farben für die Handschuhe.

Ob man Plastron oder Krawatte trägt hängt vom Anlass und der Kopfbedeckung ab. Es ist immer empfehlenswert eine am Hals möglichst eng sitzende Bluse zu tragen. Der gebunden Plastron ist auch stilsicherer als die Variante mit Klettverschluss. Man kann ihn nämlich höher binden.

Und das ist von Vorteil, wenn man sich der englischen Sitte bedient, einen Schleier vorm Gesicht zu tragen. Dieser Schleier hält Melone oder Zylinder sicher am Platz und sieht auch noch sehr gut aus.
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Krawatte, copyright: Gabriele Metz
Kopfbedeckung: Melone, Zylinder oder Sicherheits-Reitkappe! Reitkappe immer und ausnahmslos im Gelände, beim Springen und für Kinder und Jugendliche! Der Gebrauch des Zylinders gehört sich eigentlich nur zur Kandare und da im Grunde auch nur zu "großen" Anlässen. Da aber hierzulande kaum noch jemand eine Melone hat, hat es sich eingebürgert, dass der Zylinder auch zu allen anderen Anlässen getragen wird.

Der Sporen wird recht hoch am linken Fuß getragen und sollte möglichst abgerundet sein. Niemals werden Rädchensporen getragen.

Auch Schmuck ist aus Sicherheitsgründen nicht angesagt. Allenfalls ein paar dezente Ohrstecker und eine schlichte Plastronnadel.

Und "last but not least" sollte man nicht vergessen, dass es letztendlich die Haltung und Ausstrahlung von Pferd und Reiterin sind, die das Bild vervollkommnen. 

Show und Historische Schaubilder

Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Ob historisch korrekt, an eine Epoche angelehnt oder einem ganz anderen Thema entsprungen. Das Reiten im Damensattel hatte schon immer einen spektakulären Effekt und wenn der Anlass es erfordert, darf die Dame ruhig auch einmal in einer pompösen Robe oder einem historischem Kostüm aufs Pferd steigen. Das Publikum wird es danken. Man sollte allerdings auch hier den Sicherheitsaspekt vor lauter Enthusiasmus nicht aus den Augen verlieren.....


© B.Keil 2009